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Es muss Schluss sein, bevor es richtig anfängt. Die Gerüchte und spekulativen Tratscherreihen
dürfen ihre asoziale Dynamik erst gar nicht entfalten. Sonst wird Ihr Ruf nachhaltig geschädigt. Nur
die volle Wahrheit kann der Fama Paroli bieten.
Also tritt er vor die Gemeinde.
„Ihr braucht nicht zu spekulieren. Es ist wahr.
Ich liebe diese Frau, denn sie ist liebenswert.
Sie ist verheiratet – auch das ist wahr. Ist sie deshalb weniger liebenswert? Liebt
ihr Mann sie, dann sind wir schon zwei von hoffentlich sehr vielen, die sie für
liebenswert erkennen und das auch tun.
Sie ist seine Frau – er ihr Mann. Richtig – doch hier sind mein/dein, sein/ihr keine
besitzanzeigenden Fürwörter, sie sind bezugsanzeigend.
Sie und ihr Mann haben sich einmal öffentlich und vor Gott zueinander bekannt. So
lang die beiden zu diesem Bekenntnis stehen, hat ein Jeder es zu respektieren.
Nicht obwohl, sondern weil ich Sie liebe, respektiere ich diese Entscheidung und Ihr
Bekenntnis.
Ich liebe diese Frau, denn sie ist liebenswert.
Sie weiß um meine Liebe, hat sich aber dazu nicht geäußert. Zu schweigen ist Ihr
gutes Recht. Nie habe ich behauptet, dass Sie mich liebt.
Sie und ihr Mann schufen miteinander Lebens-und gemeinsame Ehegeschichte. Ihr
kennt sie sogar besser als ich.
Die Qualität dieser Geschichte als gemeinsame Liebesgeschichte zu beurteilen,
steht niemandem als den beiden selbst zu.
Ich liebe diese Frau, denn sie ist liebenswert.
Du hattest einmal deine Chance! Auch da habt Ihr Recht.
Früher hatten wir einander geliebt und uns zueinander bekannt. Wir waren jung,
unreif und in der Liebe unerfahren. Ich für meinen Teil wusste diese Liebe nicht zu
schätzen, wusste noch nichts von der Reifezeit der Liebe.
Die Welt wollte ich aus den Angeln heben und verließ die Heimat, meinen eigenen
Weg gehend. Auf diesem Weg ließ ich Sie zurück, nicht einmal Ihre Verletzungen
bemerkend.
Kein Grund, stolz zu sein und erst recht keine Basis für eine wiedergeborene Liebe.
Ich liebe diese Frau, denn sie ist liebenswert.
Ich ging meinen Weg, ohne sie. Wir verloren uns aus den Augen. Als mir einmal
dämmerte, was ich mit Ihr zurückgelassen hatte, waren beide längst anders
verheiratet. Als Jugendliebe blieb Sie mir in guter Erinnerung. Nie hegte ich einen
Groll gegen Sie, warum auch? Meine Besuche in der Heimat waren auch immer
Besuche in der Stadt, in der Sie wohnt.
Vor Jahren wanderte ich als Pilger auch auf den Straßen der Heimat. Mit einem
frischen "Guten Morgen", meinen Namen nennend, überholte mich eine Radlerin und
entschwand, bevor ich sie erkennen konnte. Doch die Stimme klang an und weckte
Erinnerungen. Monate später wurde meine Vermutung bestätigt, Sie war die
morgendliche Radlerin.
Vor einem Jahr trafen wir uns, Ihr Mann wollte nicht dabei sein. So hatten wir die
seltene Chance, gemeinsam die Vergangenheit betrachten, Ungeklärtes zu klären
und uns mit dem Unerklärbaren auszusöhnen.
Wir gingen als Freunde auseinander, im Versprechen Kontakt zu halten.
Wir haben uns seither nicht gesehen. Es blieb beim Austausch von Grüßen und
kurzen Nachrichten.
Jeder Gruß, jede Nachricht aber löste in mir tiefe Freude aus, dass es Sie gibt. Es
dauerte lange, dass mein Verstand akzeptierte, was das Herz schon wusste.
Ich liebe diese Frau – denn sie ist liebenswert.
Ich sei doch nur verliebt?
Oh, Ihr Unwissenden! Verliebt war ich mein Leben lang, immer wieder neu. Ich liebe
die Menschen und vor allem die Frauen. Verliebt sein ist die gesunde Reaktion eines
Mannes auf die Begegnung mit einer attraktiven, geistvollen Frau.
Verliebtheit - ist sie dann auch noch gegenseitig - kann eine Zeit lang dauern, das
Leben bereichern und das Bett wärmen. Um zur Liebe durchzustoßen, bedarf es aber
mehr. Dazu musst Du ihr Dein Herz öffnen und ihr Zeit lassen, sich dort einzunisten, so
wie sie ist.
Verliebt begehrest du sie, weil sie attraktiv, geistvoll, schlagfertig, sexy und lustvoll
ist. Du siehst in ihr, was Deinen Bedürfnissen entspricht und willst sie haben. Die
Verliebtheit endet, entdeckst Du an ihr, was Deinem Beuteschema widerspricht.
Liebe aber nimmt wahr, wie sie ist. Lässt sie sein, wie sie ist und lässt ihr den Platz
in Deinem Herzen. Es ist Dein bewusstes Ja zum Leben dieser Anderen. Dieses Ja
befähigt sogar zum loslassen, erfreut sich an ihrem Glück, auch wenn es nicht euer
gemeinsames Glück ist.
Heute weiß ich, Sie hat ihren Platz in meinem Herzen nie verloren.
Dass wir die Liebe unserer Jugend nicht lebten, war Folge unserer Unreife.
Die in neuer Qualität wiederentdeckte Liebe nun nicht zu leben, kann Ausdruck der
Reife sein.
Ich liebe diese Frau – denn sie ist liebenswert.
Der Liebe wert sind alle Menschen. Das ist richtig, doch abstrakt. Unsere konkrete
Liebe richtet sich auf konkrete Menschen. Auch wenn wir uns bemühten, wir schaffen
es nicht, jedem unser Herz in Liebe zu öffnen. Bei den meisten reicht es zu
wohlwollender Freundschaft, bei vielen nicht einmal dazu. Aktiv und entschieden zu
lieben, bedarf der eigenen Anstrengung. Darum lieben wir, was uns liebenswert ist.
Ein Menschenleben reicht nicht aus, um jede mögliche Liebe zu leben. Aber ein
Menschenleben ist zu kurz, eine Liebe zu leugnen.
Jede Liebe ist Lebenskraft, ein Geschenk dem geliebten Menschen.
Darum bitte ich Euch, ist Euch ein Mensch liebenswert – Eurer Liebe wert – so
verschweigt sie nicht. Versteckt euch nicht hinter Konventionen, sondern bekennt Eure
Zuneigung und freut Euch am Glück derer die Ihr liebt.
Gilt auch Eure Zuneigung Ihr, die ich liebe, so steht dazu.
Zeigt Ihr, dass Ihr Sie liebt – denn Sie ist liebenswert.
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