EineweiseTorheit_img1.gif Eine weise Torheit
Neu sind solche "Weisheiten" nicht, doch in früheren Jahrhunderten wurden sie als töricht  und  sozial schädlich anerkannt.
  • Jeder ist seines Glückes Schmied. Sorgt jeder für seinen eigen Wohl, wird allen  wohl.  Sicherheit entsteht nicht im  sozialen Ausgleich, sondern in der individuellen  Geldanhäufung. Was du dir nicht nimmst, nehmen andere. Also  nimm und sorge vor  für  Alter, Krankheit, Pflege oder Einkommensausfall.
  • Freie Bahn dem Tüchtigen - Leistung muss sich lohnen! Sei so tüchtig, dass Du von  Entlassungen verschont  bleibst.
  • Der Sinn jeden Wirtschaftens ist rentable Geldvermehrung. Was diese behindert, ist  abzuschaffen: Kosten wie  Löhne, Steuern, Kreditzinsen. Investitionen sind mit  öffentlichen Mitteln zu finanzieren, die Erträge aber gehören  den Unternehmen.
Forciert von der Chicagoer Ökonomengruppe um Milton Friedman gewann das moneytheistische  Credo nach dem Zweiten  Weltkrieg an Bedeutung. Politisch wirksam  wurde es unter Pinochets  Diktatur in Chile. Als Reaganomics fand es über  Ronald Reagan, Margret Thatcher und Helmut  Kohl Eingang in die Politikkonzepte der führenden Industriestaaten G7, mit  Russland heute G8.
Die schwedische Zentralbank leistet sich sogar die Unverschämtheit, mit einem  vorgeblichen  "Nobelpreis" neoliberale  Wirtschaftstheorien zu adeln und der Verblendung  durch die Geldplus- Ideologie Vorschub zu leisten.
Zum Unbehagen der Wirtschaftsideologen verlässt sich der Normalbürger immer noch zu  sehr auf  den gesunden  Menschenverstand. 
Damit aber nimmt er wahr: all die Reformen zur Belebung der Wirtschaft führten 
  • zur Bereicherung der Wirtschaftseliten bei gleichzeitigem Anstieg der Arbeitslosigkeit, 
  • Auszehrung öffentlicher Kassen, 
  • Zerstörung von Kultur-und Sozialstaat, 
  • Ressourcenvergeudung und Umweltzerstörung,
  • verschärfte Abhängigkeit der Entwicklungsländer 
  • und Brasilianisierung der Industriestaaten.
Um die renitenten Bürger auf die von der Wirtschaftelite geforderten Reformen  einzuschwören, hält  ein Bundespräsident  seine "Ruck"-Rede, gründen Arbeitgeber die  "Initiative Neue Soziale  Marktwirtschaft" und fördert die Bertelsmann-Stiftung  Projekte der  Kinder-, Jugend-und  Erwachsenenbildung. Polittalks á la Christiansen hämmern regelmäßig  mit den  törichten  Weisheiten auf die Bevölkerung ein. Systematisch werden Lehrstühle mit  Aposteln des  Moneytheismus besetzt,  Medien auf Linie gebracht und Kritiker ausgebootet.
Selbst in den Kirchen kann man sich nicht mehr sicher sein, ob mehr dem Monotheismus  oder  dem Moneytheismus  gepredigt wird. So wird der Geldapostel und Chefökonom der  Deutschen  Bank hofiert in katholischen Verbänden,  Diözesanräten, dem Zentralkomitee der  deutschen  Katholiken oder dem Rheinischen Merkur. Innerkirchliche  Strukturreformen  orientieren sich an den  Vorgaben der Unternehmensberatung McKinsey, ersetzen  theologische  Argumente durch  betriebswirtschaftliche und kreieren Begriffschöpfungen wie  "effiziente Pastoral".
Wieder einmal zeigt die Dummheit ihre verführerische Macht. Die sich nicht anstecken  lassen,  ziehen sich in  akademische Zirkel und Tagungen zurück und beratschlagen, ob und  wie sie  möglichst risikoarm "des Kaisers Nacktheit"  benennen können.
Nie war es leicht, gegen die öffentlich herrschende Meinung die Stimme zu erheben. Leicht  gerät  man ins Abseits, wird  disqualifiziert als Sozialromantiker, Gutmensch, Nörgler oder  inkompetenter Kritikaster. Schnell kann dieses  argumentative Abseits zum beruflichen und  wirtschaftlichen Abseits umschlagen.
Gott Baal und seine Diener sind seit jeher ungnädig. 
Auch sind Mittel und "Waffen" äußerst ungleich verteilt. Über einen Millionen Euro schweren  Haushalt wie die "Initiative  Neue Soziale Marktwirtschaft" verfügen Gemeinwohl-Vertreter  nicht.
Wie und wo also strategisch ansetzen?
Wie wäre es, nicht direkt gegen die herrschenden Toren zu kämpfen, sondern jene Kräfte zu  stärken, die die Dummheit  seit jeher als ihren Hauptgegner erkennt: den gesunden  Menschenverstand?
So entwickelte sich eine Idee, die dumm in den Augen der Toren ist.
Zu den Menschen zu gehen und sie ermutigen, ihren Gefühlen, ihrer Alltagsweisheit zu  trauen und  dem öffentlichen  Schwulst kritisch zu begegnen. 
Sie erinnern an die verschütteten und verdrängten Träume von Gemeinwohl und Solidarität,  von  Selbstverfügung des  Lebensraumes und demokratischer Partizipation?
Kein Kreuzzug, sondern eine Einladung, sich auf den Weg zu machen. 
Auf den Weg, die Träume zu realisieren. 
Sich selbst für solche Träume auf den Weg machen, z. B. für Demokratie zu pilgern.
Den herrschenden törichten Weisheiten eine weise Torheit entgegensetzen.