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Der Erzbischof von Dijon schrieb ein gutes Buch zur Sozialethik. Gut ist es, weil
anstößig.
Erzbischof Minnerath bedient sich einer hinreichend allgemein gehaltenen Begrifflichkeit,
um in die unterschiedlichen kulturellen Zusammenhänge übertragbar zu sein. Um das
„soziale Denken im Katholizismus“ offen in einen konstruktiven Dialog mit Menschen
anderer Kulturen und Religionen einzubringen, verzichtet der Autor bewußt auf Bibelzitate
oder Fußnotenverweise zu lehramtlichen Erklärungen.
Seine Argumentation ist über weite Strecken und in vielen Themen fundiert und
folgerichtig. Die aus den Schlüssen erwachsenden ethischen Anforderungen sind
einsichtig und nachvollziehbar dargestellt.
Umso erstaunlicher und für mich als Christ umso ärgerlicher sein Eiertanz, wo es um die
sittlich akzeptable Organisationen des Wirtschaftens geht.
Beschreibt er noch klar und präzise die Prämissen christlicher Ethik zu Arbeit und
Eigentum
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Vorrang der Arbeit als gestaltendes menschliches Tun vor den instrumentellen
Unterstützungsleistungen dieses Tuns wie Produktionsmittel, Geld, Technik.
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Bejahung des Eigentumsrechtes an den Produktionsmitteln für den arbeitenden
Menschen
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Nutzungsrecht aller Menschen an den Gaben der Schöpfung und der Fülle
geleisteter Produktionen an Waren und Diensten
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gerechter Tausch im wirtschaftlichen Handel
so enthält sie sich der Autor der folgerichtigen Schlüsse:
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Begrenzung des Eigentumsrechtes an Produktionsmitteln auf das zur eigenen
Arbeitsleistung notwendige Maß, damit keinem Mitmenschen sein
Eigentumsrecht beschnitten wird
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kein Eigentumsrecht zur profitablen Bewirtschaftung besitzloser Mitmenschen
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volle Zurechnung des Werkgutes und des Mehrwertes den das Werkgut
erarbeitenden Menschen
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kein Einkommen allein aus Besitz oder Bereitstellung instrumentaler Leistungen,
sondern allein aus geleisteter Arbeit.
Zu den Themenfeldern Familie, Zivilgesellschaft oder Friedenspolitik argumentiert
Minnerath schlüssig und verständig, so dass auch Nicht-Glaubende vernunftorientiert am
Dialog teilhaben können. Warum der Autor ausgerechnet im Kapitel "Wirtschaftsleben"
die sonst stringente Argumentation verlässt, wird dem Leser nicht erkennbar.
Gerade die Trennung von Arbeit und dem Eigentum an Arbeitsmitteln verdammt die
Mehrheit der Menschen dazu, sich zur Existenzsicherung bei Arbeitsmittelbesitzern zu
verdingen und sich ihrer Macht auszuliefern. Die Ideologie des Profitvorbehaltes für das
Kapital und das ihr folgende Eigentumsrecht begründen Proletarisierung, Lohnsklaverei
oder in neuer Sprachschöpfung: das Prekariat.
Eine als „Sozialpolitik“ getarnte Bewirtschaftung besitzloser Menschen soll mittels
Arbeits- und Tarifrecht die Auswüchse dieser Grundsituation entschärfen. Treu der
kirchenamtlichen Doktrin verbleibt Erzbischof Minnerath in der Mißständekritik bei
gleichzeitigem Tabu der Ursachen.
Wollte er auch hier "das soziale Denken im Katholizismus" darstellen, hätte er den
innerkirchlichen Konflikt um die Bewertung des Kapitalismus beschreiben müssen.
Dabei aber wäre er um eine Kritik der lehramtlichen Kapitalismusdoktrin nicht herum
gekommen. Deren "Ja" zum Profitvorbehalt des Kapitals ist nicht mit den im Buch
aufgezeigten ethischen Prämissen in Einklang zu bringen.
Verständlich wird die Zurückhaltung des Erzbischofs vor dem Schicksal jener
Professoren und Amtsbrüder, die diese Zurückhaltung nicht übten. Sie orientierten sich
an den Lehrendes heiligen Thomas von Aquin zu Arbeitswert und Tauschgerechtigkeit.
Lehrverbote und Amtsenthebung waren ihr Preis.
Weicht Erzbischof Minnerath diesem Konflikt auch aus, so gibt er doch Anstöße zur
Diskussion und lädt zum Dialog ein.
Nehmen wir also die Einladung an und den Not wendenden Dialog auf.
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