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Foto: Marc Chagall, Der Sturz des Ikarus, 1975
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„Schnell“, ruft Moische „beeilt Euch! Bringt
Decken, Kissen - was Ihr habt. Aber beeilt
Euch!“
Seine Stimme überschlägt sich fast. Moische
glaubt seinen Augen nicht trauen zu können.
Hoch am Himmel trudelt ein Wesen der Erde
entgegen. Wie ein Riesenvogel, aber auch
wie ein Mensch sieht es aus. Größer als der
Habicht, den David vor einigen Jahren
geschossen hat. Doch ebenso waidwund.
Wenn dieses Wesen beginnt, wie ein Stein
zu fallen, zerschmettert es am Boden.
Solang es noch trudelt, sieht Moische eine
kleine Chance, den Sturz abzufangen, den
Aufschlag zu mildern. Darum: „Beeilt Euch,
Kissen, Decken, Heu - fangt es auch mit
Euren Armen auf!“
Die Dorfbewohner sind verwirrt. Gebannt und
fasziniert verfolgen sie den Absturz des
seltsamen Wesens. Nur wenige reagieren auf
Moisches Anruf.
„Ein Mensch mit Flügeln?“, der alte Levi
schüttelt den Kopf „die Phantasten sind wohl
nicht klein zu kriegen.“
Sarah glaubt, es sei ein Engel, der auf ihr
Dorf zuflöge.
„Ein Engel,“ lästert Samuel, „so wie der
trudelt, kann es nur ein gefallener Engel
sein.“
„Wahrscheinlich hat er sich mit Gott
gestritten. Dann ist es ein gestoßener
Engel.“, vermutet Rabbi Nathan. „Wir sollten
uns darum zurückhalten. Es ist nicht gut,
sich in einen Streit zwischen Gott und den
Heerscharen einzumischen.“
Sein Weib Esther fährt ihm in die Parade:
„Red nicht solchen Stuss, alter Pharisäer.
Hatte er Streit mit Gott, dann braucht er
unsere Hilfe ganz besonders. Nur unter
Menschen kann er sich mit Gott versöhnen.
Also mach Dich auf die Socken und hilf
Moische.“
Doch Moische braucht nur noch wenig Helfer.
Einige Decken reichen, um die Spuren des
Aufschlags zuzudecken.
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